Wünsche für das Ruhrgebiet

Interview von Matthias Junge mit Horst Pietzsch, AMIN Referent in Deutschland
März 2013
Erschienen im EAD-Report

 

 1)    Du bist ins Ruhrgebiet  umgezogen. Was hat Dich dazu motiviert?

Als Referent von AMIN (Arbeitskreis Migration und Integration der Deutschen Evangelischen Allianz) in Deutschland leite, berate und helfe ich den über 20 AMIN-Kreisen im ganzen Land. Einen davon, „AMIN-Ruhrgebiet“, leite ich selber. Das kann ich nur effektiv machen, wenn ich im Ruhrgebiet (RG) wohne. Im RG stehen die Gemeinden vor großen Herausforderungen, denn 1 von 5 Mio. Einwohnern sind Migranten.

2)    Wie multikulturell empfindest Du das Ruhrgebiet?

Das Ruhrgebiet ist sehr multikulturell, aber die meisten Gemeinden noch sehr monokulturell. Einige Stadtteile sind teils sehr von Migranten bewohnt, andere sind noch sehr deutsch. In manchen, in denen Parallelstrukturen entstanden sind, müssen wir uns überlegen, wie wir dort Gemeinden gründen können. Hier braucht es neue Ansätze. Grundsätzlich erlebe ich andere Kulturen als bereichernd. – Es ist so wie mit dem Urlaub. Den verbringe ich auch mal im Ausland. Das ist einfach etwas Besonderes.

3)    Was ist Deine Aufgabe im Ruhrgebiet?

AMIN-Ruhrgebiet will Christen sammeln, ermutigen und zurüsten, um diese Impulse zurück in ihre Gemeinden zu tragen. Wir wollen Gemeinden helfen, Migranten mit dem Evangelium zu erreichen. Da müssen sie lernen, mit den Menschen zu sprechen und ihnen freundlich zu begegnen. Natürlich wollen wir Gemeinden auch bei Einsätzen helfen oder ihnen zum Beispiel sagen, wo sie Literatur beziehen können. Wir machen also viel Netzwerkarbeit. Das heißt, wir vermitteln viel zwischen den bestehenden Initiativen/Werken und das hilft an vielen Punkten weiter.

4)    Wie hast Du im Ruhrgebiet schon Gemeinschaft von Christen unterschiedlicher Herkunft erlebt?

Es gibt internationale Gemeinden. Das begeistert mich. Andere Kulturen erlebe ich als Bereicherung. Wir haben es nötig, gemeinsam unterwegs zu sein. Die deutschen Gemeinden werden wegen dem Wandel der Gesellschaft kleiner, die Anzahl der Migranten wird größer. Das gemeinsame Wirken ist ein Schlüssel, die vielen neuen Migranten zu erreichen. Das entwickelt eine ganz besondere Dynamik. Wir werden uns gegenseitig stärken können und auch vor der säkularen Welt einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten zur Ehre Gottes. Wir können Beziehungen anbieten.

5)    Wie erlebst Du die Zusammenarbeit von Christen und Gemeinden, wenn es um das Erreichen von Migranten im Ruhrgebiet geht?

Gemeinden sind sehr beschäftigt, und zwar mit Programmen. Das ist grundsätzlich gut, aber sind die „Menschen ohne Heil“ unser Fokus? Oder ignorieren wir weiterhin die wachsenden  20% der Migranten?  Es müsse noch viel Ängste und Vorbehalte abgebaut werden. Hier muss Gott noch viel Gnade zum Wachstum geben.

6)      Was wünscht Du Dir für das Ruhrgebiet – für Dich, für die Migranten und für die Christen?

Ich wünsche jedem Christen im Ruhrgebiet eine gute Beziehung zu einem Migranten. Das würde schon viel helfen. Gemeinden brauchen eine neue Perspektive, Migranten als Bereicherung auf ihren Radar zu bekommen. Da würde neue Hoffnung aufkommen. Das Zeugnis eines Christen kann dazu betragen, dass Ali oder Aischa Jesus kennen lernen und ihre Ewigkeit bei Gott ist. Dafür sollten wir alles dransetzen.