Damit Mohammed Jesus begegnet

Autoren: Horst und Monika Pietzsch

März 2013

 

Stellen Sie sich vor, sie werden zu einem freundschaftlichen Kaffee trinken eingeladen. Dann erfahren Sie, dass Ihr Besuch für den Gastgeber eine „Arbeit“ ist und Sie sind das Missionsobjekt! Wie kommt das bei Ihnen an?

Wir gebrauchen das Wort Migrationsarbeit oft aus Mangel an Alternativen. Es muss Christen um mehr gehen. Ein Arbeitssieg beim Fußball ist ja die Beschreibung eines schlechten Spiels. Arbeit als Motivation reicht nicht. Es muss uns immer um Beziehungen zu Gott und den Menschen gehen. Migranten sind Menschen, die von Gott geliebt sind. Wo werden Aischa, Ali und Achmed die Ewigkeit verbringen? Lassen wir uns von Gott verändern, damit ER uns gebrauchen kann?

Letzten Samstag war ich bei einem Straßeneinsatz, bei dem wir Literatur in verschiedenen Sprachen verteilten. Eine schwangere Frau kam mit ihrem Sohn im Kinderwagen in meine Richtung gelaufen – traditionell gekleidet, mit Kopftuch. Ob sie ein Traktat, eine CD oder einen Jesus-Film annimmt? Ich sprach sie freundlich an, „Sprechen Sie türkisch?“ Sie blieb stehen und erwiderte etwas müde, „Nein Arabisch.“ Diese Sprache hatte ich nicht dabei. „Warten Sie kurz, ich hole ihnen eine CD von unserem Stand!“ Normalerweise warten Leute nicht, aber diese Frau war interessiert! Kurz drauf war ich mit der gewünschten CD zurück und gab sie ihr. Aischa ist hier in Deutschland aufgewachsen und spricht Deutsch. Sie wollte noch eine CD für ihren kurdischen Ehemann. Sie stellte noch ein paar Fragen und ging dann zufrieden und gut ausgestattet weiter. Freude pur bei mir und immer noch, während ich diese Zeilen schreibe.

Warum erzähle ich das? Man kann Samen pflanzen und es tut nicht weh. Wir dürfen den wachsenden Migrationsanteil in Deutschland nicht weiter ignorieren. Es wäre sündhaft, wenn wir das täten. 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Migranten. Alleine im Ruhrgebiet sind 1 von 6 Mio. Einwohnern Migranten. Aber was können wir tun, wenn wir im Blick auf Migranten nur Unverständnis, Unzulänglichkeit und Unbehagen empfinden, weil ihre Kultur uns fremd ist?

1 - Wir sollten nicht auf uns selber, sondern auf Gott schauen. Darum sollten wir zuerst intensiv für die Errettung der Türken, Araber, Iraner usw. in unserem Umfeld beten. Beim Gebet blicke ich auf zu Gott und rechne mit ihm. Das verändert mich. - Bei einer Gebetsstunde letzte Woche beteten wir für Muslime. Die Leiterin berichtete kurz über die Frauen im Islam. Das ist ein schweres Los, egal wie stolz die Fassade aussieht. Einige Teilnehmer waren so davon betroffen, dass sie diese Frauen falsch beurteilt hatten. Sie bekannten es Gott. Jetzt haben sie eine neue Sichtweise.

2 – Wir sollten tief in unser Herz schauen und Buße über unsere Vorurteile tun. Wir können Fatima nicht erreichen, wenn wir Angst oder Vorurteile haben. Da ich im südlichen Afrika aufgewachsen bin, musste ich das Gedankengut der Apartheid aus meinem Herzen ausräumen und viel um Liebe beten, damit ich Andersfarbigen begegnen konnte. Wir vermitteln Muslimen ein schreckliches Bild von dem wunderbaren Gott der Bibel, wenn wir sie wie die Pest behandeln und nicht freundlich mit ihnen reden. Es ist unwürdig, Gott so zu präsentieren. - Bevor ich aber mit ausländischen Menschen sprechen will, sollte ich erst einmal mit meinen eigenen Deutschen kommunizieren. Wer noch nicht einmal Deutsche grüßt und anspricht, schafft es kaum, Menschen einer fremden Kultur anzusprechen.

3 - Selten lernen Menschen den Umgang mit Migranten automatisch. Irgendwann muss man sich der fremden Kultur exponieren und ein paar gute Begegnungen haben. Vielleicht ist der Weg über einen gläubigen Christen leichter. Man könnte einen gläubigen Migranten einladen, der uns von seinem Glauben und Leben in Deutschland berichtet. Aber es gibt auch im Alltag viele natürliche Berührungspunkte, die man nutzen kann. Wir können im türkischen Supermarkt einkaufen oder mal außerhalb der Stoßzeiten zum Dönermann gehen, um ein Gespräch über seinen Alltag und seine Welt zu führen. Die Mutter auf dem Spielplatz oder bei der Schule kann man fragen, wo sie herkommt, welche Sprachen sie spricht und warum sie hier ist. Einfach Interesse an ihrer Person zeigen und ihnen als Mensch begegnen. Wenn wir uns für einen Migranten interessieren, dann wird er ein Mensch mit Gesicht, Namen, Geschichte und Nöten.

Wenn der Migrant Deutsch nicht so gut beherrscht, kann man auf Hilfsmittel zurückgreifen, zum Beispiel Fotos der Familie und Karten mit meiner Heimatstadt. Ich kann ihn fragen, „Wo kommst Du her?“ – Wir können Zeit miteinander verbringen und beobachten, was so bei ihnen in der Familie geschieht. – Es herrscht kein Gesprächszwang.

Nur in der Praxis lösen sich die Ängste und Hemmungen. Das Evangelium geht bei Migranten über das gelebte Leben und über die Beziehung. Erst dann kommen die Worte. Wir sollten uns von dem Druck frei machen, gleich das ganze Evangelium dem Migranten über zu stülpen. – Erwähnen Sie, dass Sie beten, in der Bibel lesen, in die Gemeinde gehen und eine gute Ethik haben. – Wer das tut, wird gehört, weil er respektiert wird. Das sollte unser erstes Ziel sein.

4 – Man sollte ein wenig über die orientalische Kultur lernen. Hier gibt es einige Merkblätter und Bücher zum Thema. Etwas kulturelles Verständnis hilft uns, den anderen besser zu verstehen. Wir nehmen die Andersartigkeit positiver wahr.

5 - Ein Tipp für Gemeinden: Wenn sie Migranten mit der Liebe Gottes erreichen wollen, dann schauen Sie, ob eine Person aus der Gemeinde bereits gute Kontakte zu Migranten hat. Hier hat Gott vielleicht bereits eine Tür geöffnet. Wer Migranten Sprachunterricht oder Hausaufgabenhilfe erteilt, der hilft ihnen, auch mit Deutschen Kontakt zu haben, einen Beruf zu erlernen und ihre Zukunft zu beeinflussen. Über die Wochen des Unterrichts kann man immer wieder für die Person beten, sich für seine Kultur und für ihn als Menschen interessieren. - Schauen Sie sich Projekte anderer Gemeinden an oder laden Sie jemand mit Erfahrung ein, der Sie auf diesem Weg begleitet.