Interview mit AMIN-Referent Horst Pietzsch

 
Erschienen bei der DMG 
 
 
1. Welche Schulausbildung hast Du in Namibia genossen?
 
Ich habe die normale Schulausbildung der Primary und High School von 12 Jahren in Namibia absolviert. Mit dem Schulabschluss Matrik kann man zum College oder zur Uni gehen. Die ersten 6 Jahre verlief der Unterricht in Deutsch, dann in Englisch. 
 
2. Welchen Beruf hast Du erlernt?
 
Ich habe für eine Hoch- und Tiefbau Firma in Johannesburg gearbeitet - als Quantity Suryeyor (Qualitätsmanagement). In Südafrika war ich auf verschiedenen Baustellen unterwegs. Dann war ich anschließend für 4 Jahre zur theologischen Ausbildung in der Schweiz. Hier habe ich meinen einzigen Kulturschock bisher durchlebt.
 
3. Anzahl der Kinder?
 
Wir haben drei erwachsene Kinder in Hamburg und Kapstadt - einen Sohn und zwei Töchter. Ihre Berufe sind Architektur, Journalist und Mediengestalter Ton und Bild. Sie wurden im südlichen Afrika geboren und Englisch ist ihre Muttersprache.
 
4. AMIN - Migration und Integration für die Region Ruhrgebiet?
 
Mit einem Team von Fachleuten sind wir dabei, ein Programm für interkulturelle Kompetenz zu erarbeiten. Das wollen wir dann in christlichen Gemeinden anbieten. Vielen Leuten fällt es generell schwer, auf ihre Nachbarn aus anderen Kulturen zuzugehen. Da wollen wir helfen. Zudem bin ich auch bereit, Gemeinden zu beraten und zu helfen, wenn sie in diesem Bereich weiterkommen wollen. Es ist wichtig, dass wir Einwanderer und Gastarbeiter nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung wahrnehmen. Es ist ein ganz anderer Zugang, wenn man frei von Ängsten die Menschen wahrnimmt und weiß, wie andere Kulturen ticken.
 
5. Wie sieht für Dich eine gute Willkommenskultur aus - Beispiele? Gemeinden, die das praktizieren?
 
Es geht darum, dass Gemeinden Migranten mit in ihr Denken und ihren Fokus einzubeziehen. Noch sind viele christliche Gemeinden monokulturell, meistens Deutsch, einige in größeren Städten sind aber auch englischsprachig und international oder fast nur chinesisch. Jeder Christ, jede Gemeinde kann etwas zur Integration und einem besseren Miteinander beitragen. Wenn Gemeindemitglieder Fremde begrüßen und mit ihnen reden würden, wäre schon viel gewonnen. Wir sollten uns fragen, wie Fremde unter uns leben und was wir zu ihrer Integration beitragen können. Die Stadtmission in Wanne-Eickel ist ein gutes Beispiel, wie verschiedene Kulturen sehr gut gemeinsam unterwegs sein können. ????????? Wie sieht das aus ?????????? Ich wünsche mir noch mehr solcher Gemeinden.
 
6. Es gibt inzwischen 20 AMIN-Kreise 
 
…Die meisten davon sind im Süden Deutschlands, aber ich wünsche mir noch mehr AMIN-Kreise im nördlichen Teil Deutschlands, besonders im Ruhrgebiet. Wenn Christen beginnen, für Migranten und Muslime zu beten, ist das schon eine Hilfe. Zurzeit bin ich bewusst im Ruhrgebiet unterwegs, um Beziehungen zu bauen. 21 Prozent aller Flüchtlinge kommen nach Nordrhein-Westfalen. Dem dürfen wir uns nicht einfach so entziehen.
 
7. Was macht Deine Ehefrau beruflich?
 
Meine Frau ist Drogistin, Kosmetikerin und Gemeindehelferin. Sie hat sich über die Jahre stark unser Familie und unserem Einsatz gewidmet. Heute ist sie meine Beraterin und mein Coach in Sachen Einleben in Deutschland. Ihr Herz schlägt für unsere Nachbarn aus anderen Völkern und Kulturen, die in Deutschland ihre Heimat schmerzlich vermissen, meist noch traumatisiert sind von Armut, Krieg und Flucht und oft auch nach Jahren hier noch nicht angekommen sind. Wir sind seit 30 Jahren ein gutes Team.
 
8. Was bedeutet Christsein in Deiner Heimat Afrika? 
 
Christsein in Afrika hat meist eine viel existentieller Bedeutung als in Deutschland. Denn die Herausforderungen im Alltag der Menschen sind immens: Wie kann man genug verdienen, um als Familie zu überleben? Was, wenn man Opfer von Kriminalität wird? Oder krank? Und sich keinen Arzt leisten kann. Afrikanische Christen suchen die Antworten auf ihre Fragen wirklich im Glauben. Gleichzeitig sind sie sehr herzlich. Sie klagen so gut wie gar nicht angesichts ihrer Probleme und haben großes Vertrauen in Gott. Auch wenn ihre Realität knallhart ist, sind sie erfrischend fröhlich und nehmen Anteil am Wohlergehen anderer. Sie haben oft keine materiellen Antworten, aber ein unerschütterliches Vertrauen in Jesus und geben sich gegenseitig gerne ermutigende Worte der Bibel weiter. Das tut einfach gut.
 
9. Hast Du noch einen besonderen Link:
Auf diesen Link würde ich hinweisen: http://www.ead.de/arbeitskreise/migration/arbeitskreis-fuer-migration-und-integration.html